Freie Evangelische Gemeinde Düsseldorf

„Ich freue mich auf die Spekulatius, man darf sie schon vor Weihnachten essen.“

„Ich freue mich auf die Spekulatius, man darf sie schon vor Weihnachten essen.“

Das schrieb Johannes Hansen vor mehr als zehn Jahren in einer Andacht für eine Zeitung. Er verstand es zu genießen. Vor allem aber war er Evangelist, so kam er auch bald zur Sache: „Advent (lat.) heißt Ankunft. Schon im alten Israel wartete man intensiv auf die Ankunft des Messias. Die Christenheit bekennt, dass er gekommen ist, und so feiern wir zu Weihnachten das Fest der Ankunft Gottes bei uns in der Welt. Kein Gott mit Feuer und Schwert, sondern als Kind in einer Futterkrippe, weil ´kein Raum in der Herberge‘ war. Hautnah, ganz irdisch und menschlich ist er gekommen. Damit er uns wirklich erreicht und wir ihn erfahren können.“ Es war damals kein Raum in der Herberge. Ein Lied von Manfred Siebald kann unser Denken und Handeln heute ganz aktuell auf den Prüfstand stellen: „Was hat wohl der Esel gedacht in der Heiligen Nacht, als er plötzlich die Fremden sah im Stall? (…) Ich lasse ja manches mit mir geschehen, doch wenn sie mir an mein Futter gehen, dann ist’s mit der Liebe vorbei. Und er dachte an Stallmeuterei.“ Ja, ist denn Stallmeuterei – im Sinne des Liedes gegen das Handeln Gottes in die menschliche Zeit hinein – eine Option?

Johannes Hansen schrieb weiter: „Dass wir Gott ankommen lassen in unseren Herzen, Köpfen, nicht nur in unseren Gefühlen, sondern in unserem ganzen Leben – das ist die sehr persönliche Adventszeit und die der ganzen Christenheit auf Erden. Ursprünglich war Advent eine Zeit der Buße, des Fastens und der Enthaltung.“

Wie wäre es denn mit einer Zeit geistlichen Fastens in dieser Vorweihnachtszeit? Fasten als bewusstes Wegwenden vom menschlichen Kreisen um Sorge und Furcht, seien sie noch so verständlich. „Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.“ dichtete Paul Gerhardt. Er wusste sicher, wovon er schrieb. Fasten auch vom Klagen über die allzu früh aufziehende Garde der Weihnachtsmänner, das Gedudel in den Geschäften und überhaupt die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes, obwohl das alles ärgerlich sein mag. Fasten, nicht als Vogel-Strauß-Aktion, sondern damit Kopf und Herz frei werden für eine Neuausrichtung auf unseren Herrn Jesus Christus und als Hinleitung zur Fürbitte. Und auch zum aktiven Handeln in unserer Welt.

Ich möchte das in diesem Jahr so tun. Vielleicht wäre das auch etwas für Sie und vielleicht begleitet Sie dabei ein anderer Liedvers von Paul Gerhardt: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier? O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.“

Und bitte das Feiern nicht vergessen, gerne mit Lichterglanz, Liedern, Gottesdiensten, gutem Essen und Plätzchen. Ich jedenfalls freue mich auf die Spekulatius – und auf die Lebkuchen.

Kommentare sind geschlossen.