Freie Evangelische Gemeinde Düsseldorf

Jahr der Dankbarkeit – Undank ist der Welt Lohn

Undank ist der Welt Lohn.
Fast jeder kennt diesen Spruch und kann sofort von Situationen aus seinem Leben berichten, die diesen Satz bestätigen. Mir kommt dieser Satz in den Sinn, wenn ich erlebe, dass ich keinen Finderlohn erhalte, obwohl ich ihn beantragt habe. Dies ist mir in den letzten Jahren mehrfach passiert, zweimal fand ich ein prall gefülltes Portemonnaie, einmal ein Handy.
„Undank ist der Welt Lohn.“
Dabei geht es mir nicht um den vergleichsweise kleinen Betrag, der mir zusteht, es ist die fehlende Geste, die fehlende Dankbarkeit, die mich verärgert.

Nun haben wir dieses Jahr unter das Thema „Dankbarkeit“ gestellt, und ich frage mich: Ist der Ärger berechtigt? Habe ich ein Recht auf Dankbarkeit? Wird dieser Ärger mein zukünftiges Handeln beeinflussen?

Bei der Suche nach Antworten las ich folgenden Satz von Jean-Jacques Rousseau:

„Dankbarkeit ist eine Pflicht, die erfüllt werden sollte, die aber zu erwarten keiner das Recht hat.“

Da musste ich erst einmal schlucken.

Damit ich Klarheit gewinne, ob ich dieser Aussage zustimmen möchte, wollte ich der Ursache nachspüren, warum ich auf die fehlende Dankbarkeit nicht gelassen oder gleichgültig reagiere. Dabei stieß ich auf eine Meditation von Edward Hopkins, in der er schreibt: „Stolzes Verhalten. Wie oft haben uns Menschen durch Mangel an Dankbar-keit, Respekt oder Wertschätzung ge-kränkt? Unsere Reaktion auf diese Kränkung ist vielleicht gerechtfertigt, aber die Wurzel unserer Empfindlichkeit ist letztlich gekränkter Stolz.“

Gekränkter Stolz? Kann das sein? Hatte ich im tiefsten Innern nicht Respekt für mein „edles“ Handeln gefordert? Habe ich die Fundstücke nicht auch deshalb abgegeben, damit ich mich besser fühle? Das Liegenlassen hätte mir ein schlechtes Gewissen erzeugt. Ich habe also aus Überzeugung gehandelt, auch damit ich mich wohlfühle, auch damit ich mich in meinem Wertesystem bestätige. Wenn das so war, ist dieses gute Gefühl nicht schon Lohn genug?

Ich will nicht missverstanden werden: Dankbarkeit ist etwas Wertvolles, und deshalb stellen wir das Jahr 2016 auch unter dieses Thema. Es ist wohltuend, von dankbaren Menschen umgeben zu sein und anderen meine Dankbarkeit zu zeigen. Und ich will mir auch kein schlechtes Gewissen machen, weil ich über das Verhalten anderer Menschen frustriert bin. Es geht mir um etwas anderes, es geht mir darum, glücklich zu bleiben, wenn Dankbarkeit fehlt, im Sinne des Gebetes von Reinhold Niebuhr:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Dankbarkeit ist etwas Freiwilliges, wie Liebe, und kann nicht eingefordert werden. Ich muss damit leben lernen, wenn andere Menschen undankbar sind. Eine Spur, die mir dabei hilft, habe ich gefunden: Ich frage mich: Wie lebe ich? Wie handele ich im Sinne Jesu? Ich will ihm nachfolgen, d.h. immer wieder danach fragen, welche Leitlinien ich aus seinem Leben und Reden für mich gewinnen kann. Und dann wird mir deutlich. Er hat keine Dankbarkeit sich gegenüber erwartet. Er hat immer so gehandelt, wie es Gottes Wille war. Er hat geholfen und geheilt, und zwar unabhängig davon, ob er Dankbarkeit der Menschen dafür erwarten konnte. Davon will ich mich leiten lassen und auch in Zukunft Gefundenes zum Fundbüro oder zur Polizei bringen.

Ich werde mich freuen, wenn Menschen, auf welche Weise auch immer, „Danke-sagen“. Ich möchte mich aber nicht mehr ärgern – oder wenigstens etwas weniger ärgern – wenn es anders kommt. Und ich will mein Handeln nicht von der Dankbarkeit oder Undankbarkeit anderer Menschen be-stimmen lassen, sondern werde versuchen so zu leben, wie es Jesus seinen Jüngern gelehrt und vorgelebt hat.
Wolfgang Jüschke

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