Freie Evangelische Gemeinde Düsseldorf

Jahreslosung 2017

Ab und zu im Leben genügt es nicht, etwas in die Jahre Gekommenes einfach zu reparieren oder daran herumzufeilen. Manchmal braucht es etwas ganz Neues. Ein neues Auto, weil die Reparatur des alten Autos mehr kosten würde, als gleich ein neues Auto anzuschaffen. Neue Klamotten, weil die alten abgetragen und vielleicht auch aus der Mode gekommen sind (obwohl sie dann vermutlich in 20 Jahren wieder modern sein werden).

Viele Veränderungen und Erneuerungen machen Sinn! Weil sie mir neue Perspektiven öffnen und mich neu motivieren. In den Medien wird uns aber auch manche scheinbare „Erneuerung“ als Allheilmittel verkauft, die sich auf den zweiten Blick nur als neuer Anstrich der Fassade entpuppt. Zum Beispiel: Wenn dir dein bisheriger Partner nicht mehr gefällt, dann such dir einfach einen neuen. Doch die Gefahr ist groß, dass tief im Inneren alles beim Alten bleibt und die Probleme nicht gelöst, sondern nur verschoben werden.

Was wünschen Sie sich, was in Ihrem Leben neu werden soll?

Die Jahreslosung für das Jahr 2017 stellt die Frage etwas anders. Sie fragt nicht, welche Erneuerung ich mir wünsche, sie fragt danach, welche Erneuerung bei mir aus Gottes Sicht nötig ist.
„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch,“ lesen wir in Hesekiel 36,26. Spontan denke ich: Ist das wirklich nötig? Gleich ein komplett neues Herz und ein komplett neuer Geist! Würde es für Gott nicht ausreichen, mein altes Herz und meinen alten Geist ein wenig „aufzumöbeln“?
Und so schlecht bin ich doch auch nicht, dass es für Gott nötig wäre, gleich eine Rundumerneuerung bei mir durchzuführen, oder? Da würden mir Menschen einfallen, bei denen das sicher nötiger wäre!

Wenn Ihnen diese Gedanken nicht unbekannt vorkommen, dann können Sie sich gut hineinversetzen in die Gedanken der Israeliten zur Zeit des Propheten Hesekiel. Als er im 6. Jahrhundert v.Chr. auftritt, um dem Volk, das sich gerade in der Gefangenschaft in Babylonien befindet, Gottes Botschaft zu verkünden, gibt es viele, die sich beklagen: „Die Väter haben saure Trauben gegessen, und den Söhnen sind die Zähne davon stumpf geworden!“ (Hes 18,2).
So lautet damals ein Sprichwort, das deutlich machen soll: Wir müssen hier in der Gefangenschaft eine Suppe auslöffeln, die uns unsere Mütter und Väter eingebrockt haben. Sie haben doch gegen Gott gesündigt! Wir können doch nichts dafür!
Hesekiel macht sehr deutlich, dass solche Gedanken vermessen sind. Auch wenn letztlich die politischen und religiösen Entscheidungen der älteren Generation dazu geführt haben, dass Israel nach Babylon deportiert wurde, so sind doch die Menschen der jüngeren Generationen um keinen Deut besser! Ihre Situation ist so verfahren, dass es für Gott nur eine Lösung gibt: Er muss ihnen ein neues Herz und einen neuen Geist schenken.

2500 Jahre vor der ersten erfolgreichen Herztransplantation 1967 durch Christiaan Barnard führt uns Hesekiel Gott hier als Herzchirurgen vor Augen. Das Herz galt im alten Israel nicht nur als Ort der Gefühle (wie bei uns), sondern ihm wurden Fähigkeiten zugeschrieben, die wir eher dem Intellekt zuordnen: Urteilsvermögen, Einsicht, Wollen und Planen sitzen im Herzen.
Das Herz stellt für den Israeliten den Kern der Person dar.
Gott will also nicht mehr und nicht weniger, als unser ganzes Wesen erneuern. Und wie will er das anstellen? Die Antwort darauf gibt der zweite Teilvers: „Ich lege einen neuen Geist in euch.“ Wir stellen uns den Geist Gottes manchmal als etwas Dinghaftes vor, das Gott uns gibt und mit dem wir nun eigenständig verfahren können – vielleicht auch ganz unabhängig von Gott.
Dass das anders gedacht ist, wird klar, wenn wir feststellen, dass das Wort, das Luther mit „Geist“ übersetzt, auch „Wind“ oder „Hauch“ bedeutet. Das Ganze funktioniert also ähnlich wie bei einem Windspiel, wie es sich in vielen Kinderzimmern findet. Das Windspiel bewegt sich nur, solange jemand dagegen pustet. Sobald das Windspiel die Verbindung zu dem verliert, der es in Bewegung setzt, der ihm „Leben“ einhaucht, steht es einfach still und ist wieder so unbewegt und tot wie zuvor.
Das steckt also wirklich hinter der Verheißung, die Gott uns durch Hesekiel gibt: Ich schaffe in euch neues Leben, indem ich eine Verbindung zwischen euch und mir schaffe, die nicht mehr abreißen kann, weil sie nicht davon abhängig ist, wie sehr es euch gelingt, meine Gebote zu befolgen. Und diese Verheißung ist eine Verheißung, die für die Zukunft gilt. Gott will und wird uns erneuern. Gleichzeitig hat er aber damit schon begonnen!
Die ersten Christen haben die Begegnung mit Jesus genau so empfunden: dass Gott in Jesus beginnt, ihr Herz und ihren Geist zu verändern und zu erneuern. In Jesus lädt Gott uns ein, ihm so nahe zu kommen, dass er uns durch seinen Atemhauch in Bewegung setzen kann.

Philipp Herrmannsdörfer

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