Freie Evangelische Gemeinde Düsseldorf

Erntedank

Stell dir vor, du hast alles, was du brauchst, und du merkst es nicht…

Jedes Jahr zum Erntedankfest halten wir kurz inne und besinnen uns darauf, dass Gott uns rundum gut und reichlich versorgt mit allem, was wir brauchen. Ich liebe das Erntedankfest! In vielen Gemeinden erinnert ein übervoll geschmückter Tisch im Gottesdienst an all das Gute, das Gott uns schenkt. Ich finde, es ist eine gute Übung, sich einmal diese Fülle dankbar vor Augen zu führen. Denn obwohl ich so gut versorgt bin und in vielen Dingen aus dem Vollen schöpfen kann, bleibt bei mir der sehnsüchtige Blick auf die Dinge, die mir fehlen. Oder es kommen Sorgen auf, wie es denn morgen sein wird. Stell dir vor, du hast alles, was du brauchst, und du merkst es nicht! Dieser Gedanke schoss mir bei diesem Thema durch den Kopf! Natürlich kann ich beklagen, dass mein Glas nur halbvoll ist. Aber ich kann auch dankbar sein, dass es halbvoll ist. Womöglich ist es genau das Maß, was ich jetzt noch brauche. Und wer weiß, was Gott mir schenkt und mir ermöglicht, wenn es denn leer ist.
Für Jesus waren solche Gedanken keine wohlfeilen Denkübungen eines Wohlstandsbürgers. Er war zu seiner Zeit von großer Not und Armut umgeben und formulierte trotzdem in der Bergpredigt Sätze wie diese:
„Also macht euch keine Sorgen! Fragt nicht: ›Was sollen wir essen?‹ ›Was sollen wir trinken?‹ ›Was sollen wir anziehen?‹
Mit all dem plagen sich Menschen, die Gott nicht kennen. Euer Vater im Himmel weiß, dass ihr all das braucht.“ Nicht die Jagd und die Sorge um das Nötigste oder das womöglich Beglückende soll mich prägen, sondern eine ganz andere Sorge: „Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch seiner Herrschaft unterstellt, und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen.“ (Matthäus 6,31-33) Was es konkret bedeutet, sich dieser Herrschaft Gottes zu unterstellen und „nach dem Reich Gottes zu trachten“, macht er vor diesem Text deutlich: seid barmherzig, seid freigiebig, liebt eure Feinde, meidet das Böse!
All dies ist Ausdruck, dass uns die Barmherzigkeit Gottes und die Hoffnung auf seine Fürsorge prägt.

Mir geht es unverdient gut! Mein Glas ist nicht leer. Ich muss nicht ängstlich darauf achten, dass ich nicht zu kurz komme. Ich habe, was ich brauche und kann Gott neu fragen: Wie kann ich mit dir und meinen Mitmenschen leben?

Christian Kupfer

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